Über das RDKS Geschäft – Im Gespräch mit Sven Müller

Veröffentlicht am 23.11.2020

Der Fahrzeugbestand mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) steigt stetig. Seit dem Jahr 2014 werden alle Neufahrzeuge mit RDKS ausgestattet. Demnach beschäftigen sich Autohäuser, Kfz-Werkstätten und Reifenfachhändler schon seit längerem mit dieser Thematik. Es gilt jedoch einiges zu beachten. aftermarket-update.de im Gespräch mit Sven Müller, Director Sales, RDKS ALCAR WHEELS über Reifenplatzer, RDKS Reparatur-Kits, mehr RDKS Geschäft in Freien Werkstätten, vorprogrammierte Sensoren und die erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr.

Reifendruckkontrollsysteme machen das Autofahren sicherer. Können Sie abschätzen, wie viele Reifenplatzer durch den Verbau von RDKS seit der Einführung verhindert wurden?

Aktuell gibt es keine genaue Untersuchung oder Statistik, die belegen könnte, wie viele Reifenplatzer aufgrund von RDKS verhindert werden konnten. Das liegt vor allem daran das man Reifenplatzer nicht 100%ig vermeiden kann nur durch den Einsatz von RDKS. Sollten sich Fremdkörper im Reifen festsetzen müssen diese nicht zwangsläufig vom RDKS System erkannt werden, wenn sich der Luftdruck nicht verändert, können aber sehr wohl doch kurzfristig zu einem Reifenplatzer oder einer Panne führen. Die Aufgabe des RDKS Systems ist es, innerhalb der vorgegebenen Parameter einen Luftdruckverlust zu melden, um einen etwaigen Schaden abzumildern indem der Luftdruckverlust frühzeitig erkannt werden kann und der Fahrer dadurch das Fahrzeug zum Halten bringt bevor etwas (schlimmeres) passiert als ein defekter Reifen. Ein RDKS System kann aber beispielsweise nicht den „Einfahrschaden“ verhindern. Ca. 80 % der „Reifenplatzer“ passieren infolge schleichender Druckverluste. Ausgelöst wird das meist durch übermäßige Erwärmung durch Walkarbeit des Reifens bei schneller Fahrt mit zu geringem Luftdruck. Hier kann vor allem das direkte RDKS-System mit einem verbauten Sensor eine sehr genau Messarbeit verrichten und zu hohe Abweichungen vom Sollwert melden ebenso wie den üblichen „schleichenden“ Druckverlust. ALCAR Sensoren messen zum Beispiel bereits eine Abweichung ab 0,1bar im Reifen.

Wann sollen RDKS-Teile (u.a. Ventil, Mutter, Dichtung, Kappe, Sensorbatterie) gewechselt werden?

Die Reifenbetriebe und Werkstätten sollten darauf achten das bei jedem Reifenwechsel pro Felge ein geeignetes Service-Kit (Ventileinsatz, Mutter etc.) verwendet wird oder dass das ganze Ventil am Sensor ersetzt wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass Ventil und Sensor im Zusammenspiel, über mehrere Jahre hinweg, zuverlässig funktionieren. Eine Sensorbatterie kann nicht wiederaufgeladen oder getauscht werden, hier muss der Sensor komplett ersetzt werden. Der RDKS-Sensor ist ein Verschleiß-Teil und muss demnach, wenn verschlissen, auch ersetzt werden. Dies kommt aufgrund der verbauten Batterien aber im Durchschnitt nur alle 5-10 Jahre vor (abhängig von Fahrleistung & Fahrverhalten).

Es sind besondere Diagnosesysteme notwendig, um den Batteriezustand des Sensors zu messen. Wie ist Ihre Einschätzung, sind alle Werkstätten mit dem passenden Werkzeug überhaupt schon ausgerüstet?

Heutzutage sind es speziell der Reifenfachhandel und das Autohaus, die maßgeblich das RDKS Geschäft innehaben und diese beiden Akteure sind mit den nötigen Tools und dem nötigen Knowhow schon sehr gut aufgestellt. In Zukunft wird sich das Geschäft aber stärker in Richtung der Freien Werkstätten, Fast fitter und Tankstellen diversifizieren, da wir hier über die „Replacement-Phase“ sprechen d. h. die Batterien verlieren ihre Kapazität, die Warnleuchte geht an und die Sensoren müssen somit ausgetauscht werden. Die Endkonsumenten werden die RDKS-Warnlampe nicht automatisch auf den Reifen beziehen, sondern wie eine normale Fehlfunktion oder einen Servicebedarf verstehen und somit nicht unbedingt gezielt einen Reifenfachhandel aufsuchen, sondern ebenso die Werkstatt des Vertrauens. Im Bereich der Werkstätten gibt es m.E. noch Handlungsbedarf, was die flächendeckende Ausstattung der Betriebe oder auch die Schulung der Mitarbeiter betrifft. All das vor dem Hintergrund, das Freie Werkstätten bisher noch wenig Auslastung beim Thema RDKS hatten.

Häufig wird von Werkstätten bemängelt, dass das Programmieren und das Lesen der RDKS Sensoren und des Steuergeräts regelmäßig zu Fehlern führt. Wie wird der einwandfreien Verbau und Zustand der RDKS-Teile gesichert?

Genau aus diesem Grund haben wir unseren Geschäftsbereich RDKS 2020 neu strukturiert und auch die Produktpalette breiter aufgestellt und wesentlich verbessert. Das ALCAR RDKS Angebot ist allumfassend und unabhängig, somit perfekt für den Reifenfachhandel, für Werkstätten, für Autohäuser und alle anderen unabhängigen Anbieter im Markt geeignet. Mit der Marke „ALCAR SENSOR“ haben wir ein eigenes Produkt im Markt das sich vor allem durch eine sehr hohe Fahrzeugabdeckung und Einfachheit auszeichnet, aber ebenso durch die sehr hohe Kompatibilität. Uns war es besonders wichtig das unsere Sensoren keine Insel-Lösungen sind, sondern kompatibel mit fast allen Fahrzeugen und fast allen Werkstattgeräten – und das in OE-Qualität von OE-Herstellern.

Hier bieten wir z.B. mit unseren Plug & Drive Sensoren das beste aus zwei Welten an. Die Plug & Drive Sensoren sind vorprogrammiert für eine große Anzahl an Fahrzeugen und Marken und können direkt verwendet werden – wie ein OE Sensor – einbauen & losfahren bzw. anlernen. Des Weiteren sind die Plug&Drive Sensoren aber auch universell und beliebig oft frei programmierbar wie ein Universal-Sensor. Somit der perfekte Kompromiss für jeden Betrieb.

Wenn es um Fehlerprävention im Service geht, spielen vor allem die Diagnosegeräte eine besondere Rolle. Hier muss der Betrieb sicher stellen das die Geräte immer mit einer gültigen Lizenz versehen sind, denn nur so kann der Betrieb die wichtigen Updates der Geräte- und Sensorhersteller erhalten. Diese Updates liefern den Betrieben nicht nur erweiterte Fahrzeugabdeckungen, sondern viel wichtiger auch immer Softwareverbesserungen für Sensordiagnose und Sensorprogrammierung. Natürlich sollte auch jeder Betrieb darauf achten ein RDKS-Gerät zu verwenden, dass den geschäftlichen Anforderungen des Betriebes gerecht wird. Auch hier steht die ALCAR Ihren Kunden gerne beratend zur Seite.

Wie reagieren die Autofahrer auf die damit einhergehenden höheren Kosten beim Reifenwechsel oder Reifenkauf? Und was raten Sie der Werkstatt, wie Sie antworten soll?

Die einzige Lösung hier heißt Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung! Erklären Sie Ihren Kunden das es sich beim RDKS-System um ein Sicherheitssystem für alle Insassen handelt und erklären Sie Ihren Kunden wie das System funktioniert und was dieses System im Schadenfall für den Fahrer / die Familie tut und leistet. In der Regel kann ich sagen, das „gut aufgeklärte Kunden“ den Sinn und die Mehrkosten dann mehrheitlich akzeptieren und sich sogar eher über die zusätzliche Sicherheit freuen.

Nebst der Aufklärung benötigt das Thema vor allem aber auch Zeit. Zeit bis all diese Veränderungen von unseren Kunden angenommen und akzeptiert werden. Die RDKS Pflicht stammt aus dem Maßnahmenpaket zur „Vision Zero“ der EU. Mit diesem Ziel verfolgt die EU die Verkehrstoten auf europäischen Straßen bis 2050 auf nahezu null zu reduzieren. Aus diesem Paket stammen zB. auch die Vorschrift der ESP-Systeme oder das automatische Notrufsystem „eCall“. 2022 werden es voraussichtlich u.a. Notbremssysteme und Notfallbremslichter. Politische Gesetzgebungen und Vorschriften für mehr Sicherheit im Straßenverkehr kennen wir aber alle auch aus der Vergangenheit, 2004 war es das Antiblockiersystem, 1988 der Dreipunktgurt. Ich denke da sind wir uns alle einig das wir darauf heute auch nicht mehr verzichten möchten.

Vielen Dank für das Gespräch

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