fbpx

Innovative Trends und mutige Visionen: Das war der Automotive Talk im April

Veröffentlicht am 14.05.2024

Das Kölner Atelier Theater war am 23. April erneut Schauplatz eines mittlerweile etablierten Branchenevents: Automotive Talk Köln. Es folgten mehr als 70 Gäste aus Industrie und Handel sowie hochkarätige Speaker aus dem automobilen Aftermarket der Einladung von Initiator René Herrmann.


Im Fokus der Vorträge stand vor allem die Zukunft im Automobil- und Teilehandel vor dem Hintergrund der wachsenden Elektromobilität. Ob Fahrzeughersteller, Teilehandel, Software-Entwickler oder Beratungsunternehmen – sie alle folgten dem Ruf nach Köln und gaben dem interessierten Fach-Publikum Einblicke in die zu erwartenden Entwicklungen im automobilen Aftermarket. Daneben bot die Veranstaltung reichlich Gelegenheit zum Netzwerken und für Diskussionen, welche die Besucher und die Speaker intensiv für einen regen Austausch im Foyer des Traditionstheaters nutzten.

Geld verdienen mit dem E-Auto

Zum Start der Veranstaltung referierte Riccardo Cocchini, Manager EV Charging Strategie bei Ford, über die Möglichkeiten, die EV-Batterie nicht nur als Antriebsquelle zu nutzen, sondern auch wirtschaftlich einzusetzen. Bei Ford heißen die Projekte „vehicle to home“ und „verhicle to grid“. Sie sollen laut Cocchini Möglichkeiten bieten, Strom nicht nur ins Fahrzeug zu laden, sondern bei Bedarf auch aus dem Fahrzeug ins Haus oder an andere Verbraucher zu liefern. Mit dem Pick-up Ford F 150 Lightning bietet der amerikanische Hersteller in den USA bereits ein Fahrzeug an, mit dem das möglich ist. Neben der Anwendung als „Stromspender“ sieht Cocchini aber noch weitere Einsatzmöglichkeiten:

„Es gäbe darüber hinaus auch die Möglichkeit, den Strom aus dem Fahrzeug, idealerweise durch Solarenergie kostenlos erzeugt, ins Netz einzuspeisen und sich vergüten zu lassen“,

so der Manager. Gesteuert wird das System über eine einfach zu bedienende App, die der Kunde neben dem Fahrzeug und der Ford Charge Station Pro braucht, die das Auto laden und entladen kann. Cocchini kündigte abschließend an, dass Ford bereits dieses Jahr erste Schritte zur Umsetzung des Konzepts in Europa unternimmt.

Deutliche Veränderung im Autohandel

Wird der Automobilhandel aussterben? Mit dieser provokanten Frage startete Norbert Irsfeld, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens Prudentes, seinen Vortrag über die Zukunft des stationären Automobilhandels. „Die Konsolidierung in der Branche schreitet voran. Ich bin der Auffassung, dass die Branche zwar nicht stirbt, aber sich massiv verändern wird. Sie wird deutlich kleiner und zusammenwachsen“, so Irsfeld. Die reihenweisen Kündigungen von Händlerverträgen durch die Hersteller beispielsweise weisen auf einen Bedeutungsverlust des stationären Handels hin.

„Viele Händler stehen in spätestens zwei Jahren vor großen Veränderungen, die sie wirtschaftlich und emotional verarbeiten müssen.

Neue Vertriebsmodelle und Omnichannel-Strategien der Hersteller lassen im Handel die Angst vor Bedeutungsverlust wachsen“, führt der Unternehmensberater weiter aus. Für ihn hat der Händler nur drei Möglichkeiten: er sieht sich als Endspieler, der die Konsolidierungsphase übersteht, er ist Stratege und lässt sich über mögliche Zusammenschlüsse beraten oder er begibt sich in die Transformation und denkt über den Ausstieg nach. Fest steht, dass viele Marken in Zukunft auf ein Agenturmodell setzen, bei dem der bisher selbständige Autohändler zum Vermittlungsagent wird und Erfolgsprovision für Verkäufe erhält. „Nach unseren Berechnungen rechnet sich das für den Händler. Klar, er macht weniger Umsatz, aber das Ergebnis und die Kapitalsituation wird besser“, so Irsfeld. Abschließend fasst er zusammen: „Der stationäre Automobilhandel wird weiter gebraucht, weil Kunden das Bedürfnis zum persönlichen Kontakt haben. Der Handel muss versuchen, eine Produkt-Expertise aufzubauen. Dann bin ich mir sicher, hat auch der Automobilhandel eine Zukunft“.

Teile auf der Überholspur

Wie man einen Online-Shop und Marktplatz im Ersatzteilhandel aufbaut, erklärte Michael Liberda, Business Development Manager bei der Softwareschmiede Speed4Trade.

„Wir unterstützen vom Hersteller bis zum Händler alle in ihren B2B- und B2C-Strategien in der Transformation.

Gerade im Teilehandel gibt es eine hohe Komplexität, es gibt unzählige Möglichkeiten. Die gilt es zu bewältigen und einen Shop so einfach und schnell wie möglich zu gestalten“, so Liberda. Speed4 Trade übernimmt dabei auf Wunsch das komplette Projektmanagement, führt Qualitätskontrollen und Belastungstests während der Aufbauphase durch, spielt Risikoszenarien durch und unterstützt Kunden bei der Hardware-Auswahl. Wichtig ist auch eine nachhaltige Auslegung des Systems, damit es wachsenden Kundenzahlen und zunehmendem Traffic auch standhält, weshalb Speed4Trade die Systeme auch nach Fertigstellung weiter betreut. „Wir lassen unsere technische Expertise einfließen, um einen hohen Grad an Automatisierung zu erreichen“, so Liberda weiter. Am Beispiel der Werner Lott Kfz-Teile GmbH schilderte Liberda wie das in der Praxis aussieht. Der Händler bietet mittlerweile rund 440.000 Artikel online an.

Nachhaltiger Aftermarket

Zum Abschluss der Veranstaltung schilderte Dr. Ing. Christoph Schön, Senior Manager Innovation bei LKQ Europe, wie man den Aufbau eines nachhaltigen Aftermarkets im Bereich der Elektromobilität vorantreibt. Erste Erfahrungen konnte LKQ bereits in den USA sammeln, wo das Unternehmen seinen Ursprung im Bereich Fahrzeugrecycling und -zerlegung sowie dem Verkauf von Gebrauchtteilen hat und mittlerweile damit einen Marktanteil von 12 Prozent in den USA erreicht hat. „In Europa ist der Marktanteil noch verschwindend gering. Wir wollen das aber in Europa verstärkt etablieren, weil es auch im Hinblick auf die E-Mobilität notwendig sein wird“, so Schön. So will LKQ sein Kerngeschäft auf die E-Mobilität ausweiten, im Fokus stehen dabei vor allem die Aufbereitung und Reparatur der EV-Batterien.

„Das wollen wir kostengünstig gestalten, damit der Kunde eine Option hat, sein E-Fahrzeug weiter zu nutzen.

Wenn das Auto länger auf der Straße bleibt, ist das nachhaltiger als ein neues Auto zu kaufen“, fuhr Schön fort. LKQ geht davon aus, dass Batterien bis zu 14 Jahren halten, während Autos nach durchschnittlich 19 Jahren außer Dienst gestellt werden. „Diese Differenz wollen wir verringern und Lösungen bieten, damit auch diese Fahrzeuge länger auf der Straße bleiben können“, sagte Schön. Dazu arbeite man an günstigen Reparaturlösungen für Li-Batterien, um künftig Reparaturen zu maximal einem Drittel des Restwertes eines Fahrzeugs zu ermöglichen.


Lena Schiewe, Head of Marketing EMEA bei Clarios, musste ihren Vortrag zur Macht der Customer Experience krankheitsbedingt leider absagen und wurde von Keynote-Speaker Dr. Max Siegloch mit einer emotionalen Rede zum Thema „Wut im Alltag“ würdig vertreten. Sie ist dafür beim nächsten Automotive Talk Köln am 26. November 2024 neben weiteren hochkarätigen Rednern vertreten. Anmeldung und Infos auf www.amtalk.de 

5/5 - (2 votes)
Teile diesen Beitrag

Teile diesen Beitrag

scroll to top