Immer mehr digitale Tools, immer mehr KI – aber auch immer mehr Abhängigkeit von großen Tech-Anbietern. Dabei geht es im Kern längst nicht mehr nur um Technologie, sondern um die Kontrolle über Wissen und Daten. Wer als Unternehmen im Automotive-Umfeld seine Informationen clever nutzt und absichert, verschafft sich einen Vorsprung. Denn KI-Anwendungen brauchen vor allem eines: saubere, eigene Daten. Robert Etches präsentierte bei der diesjährigen Clepa Aftermarket Konferenz.
Datenhoheit statt Abhängigkeit: Warum KI kein Selbstläufer ist
Lange Zeit war es vor allem Big Tech, das von den Daten anderer profitiert hat. Nutzer schenkten Plattformen wie Google, Facebook oder Microsoft ihre Informationen – und machten diese Unternehmen dadurch mächtig. Heute geht es in vielen Branchen um weit mehr: Wer Wissen und Daten kontrolliert, kontrolliert auch den Zugang zum Markt.
Gerade im Automotive-Sektor wächst die Bedeutung dieses Themas. Werkstätten und Teilegroßhändler sitzen auf wertvollen Informationen: Fahrzeugdaten, Reparaturanleitungen, Kundenhistorien oder Produktwissen. Dieses Know-how wird zunehmend zur Zielscheibe. Denn moderne KI-Systeme leben von genau diesen Daten.
KI nutzen – aber auf die richtige Art
Der Trend zur Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder anderen Sprachmodellen ist längst auch in Werkstätten und im Großhandel angekommen. Doch dabei droht eine gefährliche Abhängigkeit. Wer sich frühzeitig auf eine bestimmte Plattform festlegt, riskiert langfristig hohe Kosten, geringe Flexibilität und womöglich sogar Datenverluste.
- Die Lösung heißt: KI-Strategie mit Datenhoheit. Das bedeutet:
- Eigene Wissensdatenbanken aufbauen
- Relevantes Know-how gezielt intern speichern
- KI-Modelle nutzen, aber nicht mit sensiblen Daten füttern
- Systeme wählen, die plattformunabhängig arbeiten (AI-agnostisch)
So bleibt die Kontrolle über die eigenen Daten beim Unternehmen – unabhängig davon, welcher KI-Anbieter gerade Marktführer ist.
Multilingualität wird zum Wettbewerbsfaktor
Ein weiterer Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung: die Sprache. Denn auch in der Werkstattpraxis vor Ort treffen heute verschiedenste Nationalitäten aufeinander. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein türkischsprachiger Mechaniker in Deutschland fragt per Sprachbefehl auf Türkisch nach einer Reparaturanleitung für ein bestimmtes Fahrzeug. Das System greift auf interne Daten zu, durchsucht passende Inhalte und liefert ihm nicht nur eine Anleitung, sondern direkt ein übersetztes Video in seiner Sprache.
Genau solche Anwendungen machen den Unterschied im Werkstattalltag – nicht nur in Sachen Effizienz, sondern auch bei der Mitarbeiterzufriedenheit.
Flexibilität bleibt Trumpf: KI-Systeme müssen wechselbar bleiben
Ein Blick auf den aktuellen Markt zeigt: Monat für Monat erscheinen neue KI-Modelle, die sich in Leistung und Spezialisierung stark unterscheiden. Alibaba, Meta, Mistral, OpenAI – wer heute setzt, was morgen noch führend ist, weiß niemand genau.
Deshalb gilt: Unternehmen sollten KI-Systeme nutzen, die sich jederzeit austauschen lassen. Plattformunabhängigkeit (AI-Agnostik) ist das Gebot der Stunde. Denn auch gesetzliche Vorgaben können sich schnell ändern – Stichwort Datenschutz, DSGVO oder lokale Regulierungen.
Fazit: Daten sind das neue Kapital – und die Kfz-Branche sitzt darauf
Die Zukunft der Werkstätten und des Teilehandels entscheidet sich nicht allein über Technik, sondern über Wissen und Daten. Wer eigene Informationen strukturiert, schützt und clever in KI-Prozesse einbindet, bleibt unabhängig und flexibel. Dabei gilt: KI ist kein Selbstläufer, sondern braucht eine klare Strategie – vor allem mit Blick auf Datenhoheit und Plattformunabhängigkeit.
Werkstätten, die ihre Daten im Griff haben, nutzen KI nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern sichern sich auch den Zugang zur digitalen Zukunft – ganz egal, ob in Deutsch, Türkisch oder jeder anderen Sprache. HAR