Der europäische Verband CLEPA betont die Bedeutung des EU-Datengesetzes für Automobilzulieferer, insbesondere beim Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten und der Weiterentwicklung digitaler Mobilitätsdienste. Ein möglicher Eingriff durch die Digital-Omnibus-Initiative sorgt für Unsicherheit und gefährdet geplante Investitionen in datengetriebene Lösungen. Der Data Act gilt als zentraler Baustein für ein offenes, faires und innovationsfreundliches Mobilitätsökosystem.
Bedeutung des EU-Datengesetzes für die Automobilzulieferindustrie
Der Data Act legt die Grundlage für einen geregelten Zugang zu industriellen und nutzergenerierten Daten vernetzter Produkte. Im Mobilitätssektor umfasst dies Sensordaten, Betriebsinformationen, Zustandsdaten sowie Metadaten von Steuergeräten. Die gesetzliche Regelung unterstützt einen offenen Datenmarkt, der neue Servicekonzepte wie prädiktive Wartung, Flottenanalysen, Diagnoseanwendungen oder fahrzeugbezogene Mehrwertdienste ermöglicht.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren, da sie damit unabhängiger von datenhaltenden OEMs und großen Technologiekonzernen agieren können. Der Data Act begrenzt die strukturelle Dominanz einzelner Marktakteure und erhöht die Transparenz über verfügbare Datenarten und deren Nutzungskonditionen.
Gemeinsam mit Caruso Dataplace untersucht CLEPA die verfügbaren Datensätze aus vernetzten Fahrzeugen. Die Analyse umfasst auch Metadaten, um die technische und rechtliche Einordnung verschiedener Datenkategorien zu erleichtern. Daraus entstehen abgestufte Anwendungsfälle wie:
- digitale Wartungs- und Diagnoseprozesse
- Zustandsüberwachung von Komponenten in Echtzeit
- optimierte Ersatzteilprozesse durch präzisere Bedarfsanalysen
- datenbasierte Flottenservices für leichte und schwere Nutzfahrzeuge
- neue Aftermarket-Dienstleistungen auf Basis herstellerübergreifender Datenschemata
Diese Anwendungen ermöglichen eine effizientere Planung, eine verbesserte Ersatzteilqualität und neue Geschäftsmodelle im freien Aftermarket.
Risiken durch die Digital-Omnibus-Initiative
Trotz bestehender Klarheit des Gesetzestextes sieht die Branche in der bevorstehenden Digital-Omnibus-Initiative das Risiko einer Abschwächung. Eine Verwässerung könnte zu:
- weniger Transparenz bei Datenzugängen
- erhöhtem Abhängigkeitsrisiko von OEMs und Big-Tech-Anbietern
- Verzögerungen bei Investitionsentscheidungen
- höheren Markteintrittsbarrieren für KMU
Fahrzeuggenerierte Daten sind ein zentrales Element der zukünftigen Mobilitätsarchitektur, daher zählt die Verlässlichkeit des Regulierungsrahmens zu den wichtigsten Voraussetzungen für langfristige Investitionen.
Die Zulieferindustrie benötigt ein stabiles Umfeld, um Digitalisierungsprojekte in größerem Umfang umzusetzen. Transparenz über marken- und modellbezogene Daten trägt dazu bei, digitale Services zu skalieren und neue Funktionen schneller in den Markt zu bringen. Fehlende Planungssicherheit bremst Innovationen und erschwert die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Zulieferer gegenüber globalen Plattformanbietern.
Auswirkungen auf den Independent Aftermarket
Der Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten hat direkten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des unabhängigen Ersatzteil- und Servicemarktes. Werkstätten und Teilegroßhändler benötigen strukturierte und standardisierte Fahrzeugdaten, um Diagnoseprozesse durchzuführen, Ersatzteile eindeutig zuzuordnen und digitale Serviceketten effizient aufzubauen. Ohne zuverlässige Datenverfügbarkeit steigt der Aufwand für Identifikation, Fehlersuche und Dokumentation. Der Data Act stabilisiert die Rahmenbedingungen für einen offenen Datenfluss, sodass herstellerunabhängige Angebote gestärkt und Wettbewerbsverzerrungen reduziert werden.
Technische Standards spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des EU-Datengesetzes. Einheitliche Schnittstellen und harmonisierte Datenformate erleichtern die Integration zwischen OEM-Systemen, Zulieferern und unabhängigen Dienstleistern. Eine hohe Interoperabilität verringert den Entwicklungsaufwand und ermöglicht eine schnellere Einführung digitaler Anwendungen im gesamten Mobilitätsökosystem. Standardisierte Datenstrukturen verbessern zudem die Vergleichbarkeit der Informationen und schaffen mehr Transparenz für datenbasierte Geschäftsmodelle im Aftermarket.
Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit
Mit dem erweiterten Zugriff auf fahrzeugbezogene Daten steigen die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Unternehmen müssen sicherstellen, dass Datenzugriffe nachvollziehbar, zweckgebunden und rechtlich abgesichert sind. Die technische Umsetzung erfordert klare Berechtigungsmodelle, Verschlüsselungskonzepte und robuste Schnittstellenarchitekturen. Das EU-Datengesetz definiert grundlegende Leitplanken, die insbesondere KMU unterstützen, ein angemessenes Sicherheitsniveau aufzubauen. Damit wird die Grundlage geschaffen, sensible Fahrzeugdaten kontrolliert und vertrauenswürdig in Wertschöpfungsprozesse einzubinden.
Der geregelte Zugang zu industriellen und nutzergenerierten Fahrzeugdaten eröffnet neue Marktsegmente für Zulieferer, Werkstätten und Serviceplattformen. Durch präzisere Zustandsinformationen lassen sich Komponentenlebenszyklen besser prognostizieren und vorausschauende Wartungsdienste etablieren. Darüber hinaus entstehen datengetriebene Logistiklösungen, die Ersatzteilverfügbarkeit dynamisch steuern und Lieferprozesse optimieren. Die Kombination aus Telematikdaten, Diagnosewerten und Echtzeitinformationen bietet ein breites Spektrum an innovativen Produktstrategien, die den europäischen Mobilitätsmarkt langfristig prägen können.
Fazit
Der Data Act schafft die Grundlage für einen fairen Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten und unterstützt die digitale Transformation der gesamten Mobilitätsbranche. Eine Abschwächung der Regelungen würde die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Zulieferer gefährden und Innovationspotenziale im Independent Aftermarket einschränken. Ein verlässlicher Rechtsrahmen bleibt entscheidend, damit datenbasierte Technologien und neue Mobilitätsdienste nachhaltig entwickelt werden können. Quelle: CLEPA

