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Connected Car Data in der Praxis

Veröffentlicht am 05.03.2024

Deutschlands Autofahrer sind skeptisch, wenn es um die Verwendung der von ihrem Fahrzeug generierten Daten geht. Viele fürchten eine „Überwachung“ von Seiten der Hersteller oder Versicherungen, was ihre Fahr- und Alltagsgewohnheiten angeht.


Umso interessanter war der Vortrag von Tina Rauschenbach, Head of Customer Experience bei Caruso, im Rahmen des letzten Automotive Talk in Köln. Trotz Corona-Erkrankung ließ sie es sich nicht nehmen, den Gästen des Automotive Talks Köln per „Video-Schalte“ Einblicke in die Arbeit der Datenplattform Caruso und den praktischen Einsatz der Connected Car-Daten zu gewähren. Wie sich anhand von realen Beispielen zeigte, ist eine generelle Skepsis über die Verwendung der vom Fahrzeug generierten Daten unangebracht. Vielmehr können sie helfen, den Autofahrer in außergewöhnlichen Situationen zu unterstützen. Welche Rolle Caruso dabei einnimmt und wie die Partner davon in der Praxis profitieren, zeigte Tina Rauschenbach im Rahmen ihres Online-Vortrags.

Standardisierte Sprache

Die 2017 gegründete Datenplattform Caruso fungiert als Bindeglied zwischen den Automobilherstellern und verschiedenen Service-Providern aus dem IAM (Independent Aftermarket), wie Versicherungen, Werkstätten, Flottenbetreibern und anderen. Da sich die OEM bislang nicht auf eine einheitliche Form der Fahrzeugdaten geeinigt haben, übersetzt Caruso sozusagen die von den Herstellern gelieferten Datensätze in eine einheitliche und standardisierte Sprache. Dazu befindet man sich derzeit mit 17 Herstellern im engen Austausch.

„Wir versuchen die Komplexität aus dem Thema Fahrzeugdaten zu nehmen. Unser Ziel ist es, die Nutzung der OEM-Daten für den Kunden so einfach wie möglich zu machen“, erklärte Tina Rauschenbach.

Telematikdaten zugänglich machen

Caruso beschäftigt sich hauptsächlich mit den Daten aus den „Extended Vehicle“ (ExVe), also aus Fahrzeugen, die ab Werk mit einer Telematik Control Unit ausgerüstet sind. Nach eigenen Erhebungen sollen bis 2025 rund 30 Prozent aller Pkw mit ExVe ausgestattet sein. Bis 2030 rechnet Caruso damit, dass rund 50 Prozent aller Pkw vernetzt sind. Bis dahin will Caruso 85 Prozent dieser Fahrzeuge über die Plattform zugänglich machen, basierend auf den aktuellen Fortschritten bei den OEM-Vereinbarungen.

„Diese Daten werden automatisch in eine Cloud des Herstellers gesendet, die er uns dann zur Verfügung stellt“, so Rauschenbach weiter.

Laut einer Umfrage unter europäischen Autofahrern (Quelle SBD, Feb. 2020) wissen zwischen 55 und 65 Prozent der Befragten, dass die von ihrem Fahrzeug generierten Daten mit den Fahrzeugherstellern geteilt werden können. Und rund 80 Prozent der Befragten wären bereit, ihre Fahrzeugdaten zu teilen, wenn es dazu einen Anreiz gibt.

Connected Car – Fallbeispiele

Wie Autofahrer von Daten aus ihrem Extended Vehicle profitieren können, zeigte Tina Rauschenbach an realen Beispielen, etwa aus der Versicherungswirtschaft. So zum Beispiel den Fall eines in Frankreich gestohlenen Fahrzeugs, dass anhand von Geolocation und Fahrzeugidentifikationsnummer auf einem Schiff nach Algerien im Hafen von Marseille geortet und identifiziert wurde. Während der Fahrt nach Algier informiert der Versicherer die französische Polizei, die wiederum ihre Kollegen in Algier alarmieren. Dort angekommen, wurde der Fahrer verhaftet und das Fahrzeug sichergestellt. Nach zwei Wochen kehrte das Auto nach Frankreich zurück.

Aber auch im Falle eines Unfalls helfen die Daten der Versicherung, ihre Kunden optimal zu unterstützen. Sie erhält umgehend Daten zur Schwere und zum Ort des Unfalls und kann daraus entsprechende Maßnahmen einleiten. So auch in dem Fall, als nachts zwischen 23 und vier Uhr 92 Notrufe aus einem Auto ohne Fahrer bei der Versicherung eingehen. Als die Versicherung ihren Kunden kontaktiert, hat dieser noch keine Ahnung. Es stellte sich heraus, dass die Duplex-Garage mit seinem Fahrzeug bei starkem Regen vollgelaufen war und das Fahrzeug „von sich aus“ entsprechende Notrufe absetzte. Aber auch Werkstätten können von den Daten der vernetzten Fahrzeuge profitieren. Über sogenannte Capability Checks kann Caruso mittels der VIN ermitteln, wieviele Fahrzeuge im Bestand einer Werkstatt vernetzt sind, welche davon von Caruso unterstützt werden und welche telematikfähig sind.

Die Transformation der Autoversicherung: Vernetzte Autos im Fokus

Verständnis muss weiter wachsen

Zusammenfassend merkte Tina Rauschenbach an, dass es nach wie vor Herausforderungen im Zusammenhang mit den Telematikdaten zu bewältigen gibt. So ist nach wie vor keine Datenkonformität bei den verschiedenen OEM gegeben, die Datenpackete unterscheiden sich je nach Hersteller in Inhalt und Frequenz. Auch die Zustimmungsprozesse sind unterschiedlich und teils kompliziert. Viele Unternehmen haben außerdem noch keine Position zu dem Thema bezogen und sind auch für Investitionen noch nicht bereit.


„Generell muss das Verständnis für ExVe weiter wachsen. Im Bereich Versicherungen gibt es bereits viele erfolgreiche Anwendungen. Werkstätten müssen allerdings noch mehr für das Thema sensibilisiert werden“, schloss Tina Reichenbach ihren Vortrag.

Der Automotive Talk in Köln findet in halbjährlichem Rhythmus statt. Die nächsten spannenden Einblicke in die Branche gibt es beim Automotive Talk am 23. April im Kleinen Theater in Köln. Zu kurzfristig? Kein Problem, am 3.12. trifft sich die Branche zum nächsten Automotive Talk. Alles Details finden Sie hier: Automotive Talk Köln

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