Die Zeitumstellung auf Winterzeit verändert nicht nur den Tagesrhythmus der Menschen, sondern wirkt sich auch auf das Verhalten der Wildtiere aus. Während viele Pendler noch mit der Müdigkeit nach der Umstellung kämpfen, steigt in den frühen Morgen- und Abendstunden das Risiko für Wildunfälle erheblich. Der ADAC Hessen-Thüringen weist darauf hin, dass besonders in Hessen die Zahlen alarmierend sind – tausende Tiere verunglücken jährlich im Straßenverkehr.
Dämmerung und Berufsverkehr – ein gefährlicher Mix
Mit der Zeitumstellung verschiebt sich die Dämmerungszeit, in der Rehe, Wildschweine und Hirsche besonders aktiv sind. Diese Phase fällt nun mit dem morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr zusammen. Nach Angaben des Landesjagdverbands Hessen ereignet sich in Deutschland statistisch alle 2,5 Minuten ein Wildunfall. Allein in Hessen kamen im laufenden Jagdjahr bereits über 5.500 größere Wildtiere auf den Straßen ums Leben. Besonders riskant sind Strecken durch Wälder und entlang von Feldern, wo Wildtiere regelmäßig die Fahrbahn queren.
Das Unfallrisiko ist vor allem zwischen 6.00 und 9.00 Uhr sowie am Nachmittag ab etwa 17.00 Uhr deutlich erhöht. Autofahrer unterschätzen häufig die Gefahr in diesen Zeitfenstern, da vertraute Strecken plötzlich andere Sichtverhältnisse aufweisen.
Müdigkeit als zusätzlicher Risikofaktor
Neben der geänderten Lichtverhältnisse sorgt die Umstellung auf die Winterzeit bei vielen Menschen für Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Diese Symptome können das Unfallrisiko weiter erhöhen. Der ADAC Hessen-Thüringen empfiehlt daher, in den Tagen nach der Zeitumstellung besonders aufmerksam und defensiv zu fahren. Auch kurze Fahrten auf bekannten Strecken bergen Gefahren, wenn die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt ist.
Straßen mit Warnschildern für Wildwechsel sollten stets mit erhöhter Aufmerksamkeit befahren werden. Häufig ignorieren Verkehrsteilnehmer diese Hinweise, obwohl sie auf gefährliche Streckenabschnitte hinweisen. Das Hessische Verkehrsministerium und der Landesjagdverband Hessen haben in den vergangenen Jahren an sogenannten „Wildunfall-Hotspots“ zusätzliche Hinweistafeln und Plakatwände aufgestellt, um die Gefahr ins Bewusstsein zu rufen.
Verkehrsminister Kaweh Mansoori betont, dass ein Großteil der Wildunfälle durch vorausschauendes Fahren vermeidbar wäre. Besonders gefährlich seien abrupte Ausweichmanöver, die häufig in den Gegenverkehr oder von der Fahrbahn führen.
Richtiges Verhalten bei Wildwechsel und Unfall
Wer in der Dämmerung auf ein Tier am Straßenrand trifft, sollte sofort vom Gas gehen, kontrolliert bremsen und hupen. Das Fernlicht sollte dabei unbedingt abgeblendet werden, da Wildtiere durch starke Lichtreize orientierungslos werden. Da Wild selten allein unterwegs ist, ist nach dem Passieren einzelner Tiere mit weiteren Nachzüglern zu rechnen.
Kommt es dennoch zu einem Zusammenstoß, gilt es, Ruhe zu bewahren. Die Unfallstelle muss abgesichert und die Polizei verständigt werden. Verletzte Tiere dürfen nicht berührt oder verfolgt werden. Für die Versicherung ist eine Wildunfallbescheinigung durch Polizei oder Jäger erforderlich. Wer Wild mitnimmt, begeht eine Straftat.
Die Verteilung der Wildunfälle ist in Hessen und bundesweit nicht gleichmäßig. Besonders betroffen sind ländliche Regionen mit dichtem Waldbestand oder großen landwirtschaftlichen Flächen. Landstraßen, die durch Wälder oder entlang von Feldern führen, gelten als Hochrisikobereiche. Nach Auswertungen des Deutschen Jagdverbands sind Streckenabschnitte im Taunus, im Vogelsberg sowie im nordhessischen Bergland besonders unfallträchtig. In diesen Gebieten kommt es überdurchschnittlich häufig zu Zusammenstößen mit Rehwild, während im Süden des Landes vor allem Wildschweine für Unfälle verantwortlich sind. Diese regionalen Unterschiede sollten bei der Verkehrsplanung und bei der Aufstellung von Wildwarnschildern berücksichtigt werden.
Fazit
Die Zeitumstellung erhöht jedes Jahr das Risiko für Wildunfälle deutlich. Müdigkeit, veränderte Lichtverhältnisse und aktiver werdendes Wild machen die Straßen in den Morgen- und Abendstunden besonders gefährlich. Durch vorausschauendes Fahren, angepasste Geschwindigkeit und richtiges Verhalten im Ernstfall lässt sich das Risiko für Zusammenstöße deutlich reduzieren. Jede vermiedene Kollision schützt nicht nur das Tier, sondern auch Menschenleben. Quelle: ADAC

