fbpx

Erkenntnisse aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022

Veröffentlicht am 01.12.2022
Studien haben immer wieder gezeigt, dass viele Unfälle dank moderner Fahrzeugtechnik vermieden oder zumindest stark reduziert werden können. Die eingebauten Systeme und Komponenten müssen jedoch frei von Sachmängeln und unzulässigen Konstruktionsänderungen sowie voll funktionsfähig sein. Wie wichtig das ist, hat DEKRA in der Fahrprüfung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2022 „Mobilität junger Menschen“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

„Ob die Insassen eines Fahrzeugs sicher und unversehrt ans Ziel kommen, hängt unter anderem entscheidend vom Zustand der Bremsen, des Fahrwerks und der Reifen ab“, sagt DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf.

Je moderner das Fahrzeug, desto länger die Liste der üblicherweise verbauten Fahrerassistenzsysteme. Diese helfen, das Fahrzeug in kritischen Situationen unter Kontrolle zu halten. Allen Fahrern sollte auf abstrakte Weise bewusst sein, dass das System nur innerhalb seiner physikalischen Grenzen funktionieren kann. Viele sind sich jedoch der spezifischen Auswirkungen von Reifen-, Brems- und Fahrwerksbedingungen auf diese Grenzwerte nicht bewusst.

Zur Verdeutlichung hat DEKRA diesen Zusammenhang im Rahmen mehrerer Fahrversuche nachgewiesen. Im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022 „Mobilität junger Menschen“ wurden Gebrauchtwagen im DEKRA Technology Center am DEKRA Lausitzring in Brandenburg eingesetzt.

Beispielsweise haben die Experten von DEKRA mit einem VW Golf VII vergleichende Bremsversuche auf nassem Asphalt mit sehr gutem Grip bei einer Außentemperatur von 3-5 Grad Celsius durchgeführt. Die Originalbereifung bestand aus Ganzjahresreifen von Premiummarken mit einer Mindestprofiltiefe von 4,8 bis 4,0 mm. Der Bremsweg bei 100 km/h blieb in mehreren Tests ziemlich konstant bei 44,4 m. Die Reifen, Bremsen und Stoßdämpfer wurden im Anschluss an der ersten Test erneuert. Die Reifen wurden durch nagelneue Premium-Winterreifen ersetzt. Der Bremsweg wurde so auf durchschnittlich 38,7 Meter verkürzt.

In der gleichen Testkonstellation wurde das gleiche Fahrzeug mit einer Bremsausgangsgeschwindigkeit von 160 km/h gefahren. Hier verkürzte das Upgrade den Bremsweg von 111,0 Meter auf 98,3 Meter. Der Bremsweg kann somit bei beiden Geschwindigkeiten um ca. 11-13 % verkürzt werden. Wie groß der damit verbundene Sicherheitsgewinn ist, wird deutlich, wenn man die Restgeschwindigkeit betrachtet, die das unreparierte Auto im ersten Test an der gleichen Stelle hatte. Ungefähr 30 km/h bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 100 km/h und ungefähr 55 km/h bei 160 km/h.

Zustand von Dämpfern und Federn hat großen Einfluss auf Fahrsicherheit

Auch mit einem Honda Jazz nahmen die Experten von DEKRA einen doppelten Spurwechsel vor. Hierbei werden Ausweichreaktionen auf ein plötzlich auf der Fahrbahn auftauchendes Hindernis und anschließende Lenkmanöver auf die ursprüngliche Fahrspur simuliert (Nachfolger des sogenannten Elchtests). Die Fahrbahnoberfläche wurde bei allen Testfahrten gleich bewässert. Im Originalzustand war er mit Ganzjahresreifen mit einer Profiltiefe von mindestens 5 mm ausgestattet. Der Kurs konnte mit Geschwindigkeiten bis zu 65 km/h befahren werden, darüber würden Fahrzeuge ohne ESP abbiegen.

Nach Bremsen-, Reifen- und Stoßdämpferwechsel wurde der Parcours mit 70 km/h absolviert. Das Fahrzeug wurde mit Ganzjahresreifen namhafter Hersteller ausgestattet. Beachten sollte man, dass alle Fahrten von professionellen Testfahrern gefahren wurden und dass die Reifenprofiltiefe für die erste Testreihe ausreichend war. Selbst für einen geübten „Normal“-Fahrer wäre es in diesem Geschwindigkeitsbereich nahezu unmöglich, eine solche Strecke sicher zu fahren oder im Ernstfall auszuweichen.

„Für unerfahrene Fahranfänger ist im Ernstfall schon bei weitaus geringeren Geschwindigkeiten mit einem Kontrollverlust zu rechnen“,

gibt DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf zu bedenken. Das Mehr an Sicherheit, das dabei durch die ersetzten Teile gewonnen werde, sei nicht zu unterschätzen.

ESP kann Schleuderunfälle oder Abkommen von der Fahrbahn verhindern

Ein weiterer Test zeigte, wie wichtig ein guter Fahrzeugzustand hinsichtlich Fahrwerk, Bremsen und Reifen für die Wirksamkeit des eingebauten ESP ist. Der eingesetzte BMW 1er (E87) war mit Marken-Sommerreifen ausgestattet. Die Profiltiefe betrug 2,2 und 2,6 mm an der Vorderachse und 1,7 und 2,0 mm an der Hinterachse. Das Auto beschleunigte auf einer nassen Asphaltstraße dreimal auf 130 km/h, woraufhin der Lenkroboter plötzlich ein Ausweichmanöver einleitete. Es ist normalerweise in Ordnung, ESP zu verwenden, um das Fahrzeug in dieser Situation zu stabilisieren. Während das ESP einwandfrei funktionierte, kam es jedoch bei einigen Testfahrten zu einem Ausbrechen des Fahrzeugs.

„Das zeigt, dass auch die ESP-Regelung nur in den Grenzen wirksam wird, innerhalb derer Fahrwerk, Bremsen und Reifen die entsprechenden Kräfte auf die Fahrbahn übertragen können“, sagt Markus Egelhaaf.

Die Bremsen und Stoßdämpfer wurden im Anschluss erneuert und die Räder mit neuen Reifen des gleichen Typs ausgestattet. Bei allen drei Testfahrten nach der Reparatur trat kein Traktionsverlust auf. Das Fahrzeug wurde vom ESP zuverlässig „eingefangen“ und blieb stabil.

Grundsätzlich sind gute Bremsen und ein stabiler Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahnoberfläche bei allen Straßenverhältnissen unerlässlich. Dies sind auch Grundvoraussetzungen, um die Wirksamkeit von Assistenzsystemen wie ABS und ESP zu optimieren. Achten Sie daher beim Gebrauchtwagenkauf unbedingt auf einen guten Zustand dieser Komponenten oder lassen Sie diese bald nach dem günstigen Kauf fachmännisch reparieren. Kaufen Sie kein Auto ohne ESP, besonders nicht für Fahranfänger.

 

Hauptuntersuchung deckt sicherheitsrelevante Mängel auf

Die von DEKRA durchgeführten Tests zeigen erneut, wie wichtig ein guter technischer Fahrzeugzustand für die Verkehrssicherheit ist und wie wichtig es ist, diesen regelmäßig unabhängig überprüfen zu lassen. Dies gilt insbesondere für ältere Fahrzeuge. Diese Fahrzeuge weisen in der Regel häufiger schwerwiegende Mängel auf und sind dadurch einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt als jüngere.

„Neben der natürlichen Alterung und dem Verschleiß der Fahrzeuge kann auch das oftmals fehlende Bewusstsein für technische Mängel sowie Sparen bei Reparatur und Wartung fatale Folgen haben“, warnt Markus Egelhaaf.

Dabei denken die DEKRA Experten primär auch an junge Autofahrer, die vor allem aus wirtschaftlichen Gründen häufig ältere Autos fahren.


Die von DEKRA im Jahr 2020 in Deutschland durchgeführten Hauptuntersuchungsergebnisse von Pkw, die im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022 ausgewertet werden, zeigen deutlich die steigende Mängelquote aufgrund der Fahrzeugalterung. Bis zu 3 Jahre alte Fahrzeuge hatten zu knapp 8 % Mängel, über 5-7 Jahre alte Fahrzeuge schon zu etwa 20 %. Über 9 Jahre alte Fahrzeuge kamen hier schon auf eine Mängelrate von 40 %, ein viertel der Fahrzeuge wiesen in dieser Gruppe sogar erhebliche Mängel auf. Betrachtet man die gefundenen Mängel im Detail, so zeigt sich, dass die lichttechnischen Einrichtungen mit etwa 25 % am häufigsten bemängelt werden und die Bremse mit rund 16 %. Mängel an Achsen mit Rädern und Bereifung nahmen mit mehr als 14 % ebenfalls einen recht hohen Stellenwert ein. Quelle: DEKRA

Rate this post
Teile diesen Beitrag

Teile diesen Beitrag

scroll to top