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Warum Reman-Teile doppelt nützlich sind

Veröffentlicht am 15.11.2022
Die Automobilbranche steht derzeit im Fokus, wenn es um CO2-Reduktion und Ressourcenschonung geht. Eine seit Jahrzehnten angewandte Technik, die Aufbereitung defekter und verschlissener Teile, um ihnen ein zweites Leben zu ermöglichen, erlebt vor dem Hintergrund der Kreislaufwirtschaftsziele der EU und der Vision einer CO2-freien Automobilindustrie bis zum Jahr 2050, einen Aufschwung. Tauschmotoren, Anlasser oder Lichtmaschinen werden seit langem im Tausch „alt gegen aufbereitet“ angeboten, doch das Portfolio an verschiedensten aufbereiteten Teilen hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Turbolader, Lenkgetriebe, Lenksäulen, Servopumpen, AGR-Ventile, Klimakompressoren, Bremssättel – für viele mit Neuteilen kostenintensive Reparaturen gibt es heute günstigere Alternativen, ohne dabei Abstriche bei der Qualität hinnehmen zu müssen. War es bislang häufig der Kostenfaktor, insbesondere beim Thema zeitwertgerechte Reparatur, der bei der Wahl zwischen OE-Neuteil, einem Aftermarketprodukt oder einem aufbereiteten Gebrauchtteil den Ausschlag gab, spielt heute auch der Nachhaltigkeitsaspekt eine bedeutende Rolle.

Nachhaltig und krisenresistent

Eine CLEPA-Studie aus 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass 2020 durch die Wiederaufbereitung von Ersatzteilen EU-weit mehr als 800.000 Tonnen CO2 vermieden wurden, was den Kohlenstoffemissionen von rund 120.000 EU-Bürgern entspricht. Laut der Studie wurden 2020 wiederaufbereitete Ersatzteile im Wert von 4,7 Mrd. Euro in Europa verkauft. Allein das dänische Aufbereitungsunternehmen Borg Automotive vertreibt jährlich rund 1,8 Millionen Teile, denen ein zweites Leben geschenkt wurde.

„Im Vergleich zu einem neu produzierten Ersatzteil haben unsere Produkte eine erheblich bessere Klimabilanz“,

erklärt Lars Hähnlein, Country Manager für die deutschsprachigen Märkte.

„Das liegt daran, dass wir intakte Gehäuse weiterverwenden. Diese müssen also nicht eigens hergestellt werden, was bis zu 80 Prozent Energie und jede Menge Material spart. Nicht zuletzt darf man nicht vergessen, dass ein weiterverwendetes Ersatzteil nicht entsorgt werden muss. Wir entlasten also gleichzeitig die Mülldeponien“.

Standortvorteil EU

Im Hinblick auf die CO2-Bilanz der Lieferketten, also dem Transport der Teile zum Aufbereiter und zurück in den Handel, merkt Hähnlein an: „Unsere Produkte weisen eine optimale CO2-Bilanz auf und werden ausschließlich in der EU produziert. Neben unserem Logistikzentrum befinden sich alle Standorte in Europa. Die Lieferkette verursacht somit wenig CO2 und ist krisenresistenter als globale Lieferketten“. Nicht vergessen sollte man bei dieser Rechnung auch, dass viele Neuteile in Asien gefertigt werden und entsprechend lange Transportwege haben. Wiederaufgearbeitete Ersatzteile von BORG Automotive könnten gegenüber Neuteilen und Fernost-Importen zukünftig einen entscheidenden Vorteil bieten. Denn aktuell ist nicht absehbar, in welchem Maß eine CO2-Bepreisung Produktions- und Logistikkosten treiben wird. Gleiches gilt für die Frage, ob die EU in Zukunft eine Steuer auf Produkte erheben wird, die CO2-intensiv in Drittstaaten produziert werden.

Für den späten Lebensabschnitt

Auch bei BorgWarner, wo seit rund 30 Jahren Turbolader und AGR-Ventile aufbereitet werden, zieht man eine positive Bilanz:

„Mit unserem REMAN Programm haben wir bereits über 16.000 Tonnen Gusseisen und 4.000 Tonnen Aluminium durch die Wiederverwendung von 5 Millionen Gehäusen eingespart. Unsere wiederaufbereiteten Produkte sind eine nachhaltige, umweltfreundliche und kostengünstige Lösung für Fahrzeuge in einem späteren Lebensabschnitt“,

so Michael Boe, Vice President and General Manager, Global Aftermarket. ZF Aftermarket setzt ebenfalls schon seit längerem auf die industrielle Aufbereitung von Altteilen und berücksichtigt dies bereits bei der Entwicklung von Neuteilen. Der Zulieferer verarbeitet bereits in den Neuprodukten bis zu 95 Prozent Recycling-Material. Im Vergleich zu deren Fertigung spart laut dem Unternehmen die Wiederaufbereitung von Bremsen, Getrieben, Lenksystemen oder Drehmomentwandlern bis zu 90 Prozent an Energie und 50 bis 90 Prozent Material.

Günstiger und besser als OE?

Neben der Nachhaltigkeit betonen die Unternehmen auch die Qualität der aufbereiteten Teile.


„Wir sehen viele Tausend identische Produkte nach vielen Tausend Kilometern. Wir kennen die Verschleißpunkte und erkennen minderwertige Komponenten, die oft die Ursache für Ausfälle oder Schäden darstellen. In vielen Fällen bewegen sich unsere wiederaufbereiteten Produkte daher qualitätsmäßig oberhalb der Originalprodukte“,

sagt Lars Hähnlein. Außerdem erreichen Originalteile oft eine Lebensdauer von 10 oder 20 Jahren und sind dann technisch veraltet. In aufbereiteten Teilen kommt hingegen neueste Technologie zum Einsatz, etwa deutlich haltbarere Dichtungen. Somit kann eine Werkstatt den Kunden nicht nur eine günstigere, sondern auch haltbarere Ersatzteile anbieten, die gleichzeitig Nachhaltigkeitsansprüche zufriedenstellen. Dieter

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