So spülen Sie neue Kunden in die Werkstatt

Veröffentlicht am 14.06.2022

Automatik- und Doppelkupplungsgetriebe erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie steigern den Fahrkomfort und helfen heute im Gegensatz zu früheren Wandlerautomaten auch beim Spritsparen. Lange Jahre suggerierten die sogenannten „Lifetime“-Befüllungen mit Getriebeöl eine unbegrenzte, wartungsfreie Einsatzdauer. Doch je nach Fahrweise, etwa hohe Autobahngeschwindigkeiten oder häufiger Anhängerbetrieb, unterliegen die Öle hohen Belastungen und entsprechendem Verschleiß mit der Folge, dass sich der Schaltkomfort verschlechtert. Diese Erkenntnis hat sich in den letzten Jahren auch bei den Getriebe- und Fahrzeugherstellern durchgesetzt, so dass mittlerweile der Getriebeölwechsel fester Bestandteil der Wartungspläne ist. Allerdings verbleibt bei einem herkömmlichen Ölwechsel mit bis zu 60 Prozent eine große Restmenge des Altöls inklusive Abrieb und Verschmutzungen im System. So kann es im Laufe der Zeit zu Schaltverzögerungen, ruppigen Gangwechseln, Anfahrruckeln oder gar zum Ausfall ganzer Gangstufen kommen. Bei einer Getriebeölspülung werden hingegen nahezu 100 Prozent des Schmierstoffes gewechselt und somit auch Rückstände entfernt.

Empfehlung statt Werbung

Stephan Pehl bietet diesen Service in seiner Autofit Werkstatt in der kleinen Hunsrück-Gemeine Ayl bei Trier seit Ende 2015 an. Er nutzte das Angebot seines Schmierstoff-Lieferanten Fuchs und investierte in ein Spülgerät vom Typ AGS 20 des Herstellers GL Technics. Heute zieht er eine durchweg positive Bilanz:

„Das Thema Getriebespülung hat unserem Ölgeschäft einen deutlichen Schub gegeben, der Ölumsatz ist stark angestiegen“, so der Inhaber.

Gleichzeitig konnte er bisher eine Vielzahl an Spülungen verkaufen ohne in Werbung investieren zu müssen.

„Die Kunden sind hochzufrieden, empfehlen uns weiter und werden häufig zu neuen Stammkunden“, freut sich Pehl.

Bei durchschnittlichen Kosten zwischen 400 und 600 Euro pro Spülung „spült“ der Service auch ordentliche Zusatzerträge in die Kasse. Die Kosten für das Gerät inklusive eines Adaptersatzes für den Anschluss an verschiedene Fahrzeugmodelle in Höhe von rund 6.000 Euro haben sich längst amortisiert.

Erfahrung hilft

Mechaniker Florian Hartwigsen-Zerfaß ist der Fachmann für Getriebespülungen im Betrieb und verfügt mittlerweile über reichlich Erfahrung:

„Die Abläufe sitzen, sobald ein Auftrag rein kommt, weiß ich schon vorher was ich wo demontieren muss, wo die Anschlüsse sitzen und welche Adapter ich brauche“.

Bei unserem Vor-Ort-Termin steht der „Patient“, ein BMW der 5er-Baureihe mit ZF-8-Stufen-Automat und einer Laufleistung von 139.000 km, bereits auf der Bühne und ist an das Spülgerät angeschlossen. Zuvor hat ihn der Mechaniker warm gefahren, die Öltemperatur sollte mindestens um 35 Grad liegen. „Alle Verkleidungen habe ich vorher entfernt, damit das Öl nicht wieder abkühlt.

„Den Kunden nehme ich möglichst mit zur Probefahrt, damit er einen Vorher-Nachher-Vergleich hat“, erklärt Hartwigsen-Zerfaß.

Außerdem hat er mittels Diagnosetester den Fehlerspeicher ausgelesen, bevor er das Spülgerät angeschlossen hat.

Restlos sauber

Dann beginnt der Spülvorgang, bei dem zunächst das Altöl mehrfach durch das System gepumpt wird. Durch den pulsierenden Druck lösen sich Verunreinigungen, die ein Filter im Spülgerät auffängt. Anschließend saugt das Gerät die komplette Altölmenge ab. Die Ölwanne mit Filterelement wird entfernt, das darin enthaltene Restöl dem abgepumpten Öl zugegeben, um die Originalmenge zu erhalten und eine neue Ölwanne montiert. Dann wird die entsprechende Menge Frischöl plus ca. zwei Liter Übermenge in das Spülgerät eingefüllt und das System mit dem neuen Öl nochmals gepült, wobei auch hier das frische Öl durch einen weiteren Filter fließt, um auch letzte Rückstände zurückzuhalten.

Dabei läuft der Motor, der Mechaniker schaltet zunächst in den Rückwärtsgang, danach auf die Parkstellung, um schließlich für rund 15 Minuten alle Gangstufen durchzuschalten. Abschließend füllt das Spülgerät das Getriebe mit der Originalmenge des Getriebeöls. Während z. B. Audi-Modelle mittels Diagnosetester nach der Spülung „resetet“ werden müssen, lernt sich das System des  BMW auf der anschließenden Probefahrt selbst an. Nach einer abschließenden Dichtheitskontrolle an der neuen Ölwanne montiert Hartwigsen-Zerfaß die Verkleidungen, das Fahrzeug ist nach rund 2,5 Stunden fertig zur Übergabe an den Kunden. Stephan Pehl weiß, was den Kunden erwartet:

„Ein sich verschlechterndes Fahrverhalten ist ein schleichender Prozess, den der Kunde oft nicht wahrnimmt. Dafür ist das Aha-Erlebnis nach der Getriebespülung umso größer“.
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