Wieso werden Distrigo-Verträge gekündigt?

Veröffentlicht am 18.03.2022

Wieso kündigt Stellantis die Handelsverträge mit seinen Distrigo Partner? Distrigo Handelspartner sind überwiegend Autohändler, die sich darauf spezialisiert haben auch im großen Stil Ersatzteile zu vertreiben. Unabhängig von der Historie der Zusammenarbeit hat Stellantis nun alle Handelsverträge mit seinen Distrigo Partner gekündigt.

Was ist Distrigo?

Distrigo ist ein Handelspartner-Konzept von Stellantis. Damals noch von den PSA Vertriebsmarken gegründet, richtet es sich gezielt an freie Kfz-Werkstätten und Vertragswerkstätten aller Marken. Das Sortiment umfasst Ersatzteile, Zubehör, Reifen, Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien. Neben den Original-Ersatzteilen von Peugeot, Citroën, DS Automobiles und Opel umfasst es auch die konzerneigene Werkstattkette, die Eigenmarke Eurorepar sowie Ersatzteile namhafter IAM Anbieter (u.a. Febi Bilstein, INA, Mahle, Nissens, SKF, LUK, Behr Hella). Auch gibt es gebrauchte oder wiederaufbereitete Teile unter der Marke SUSTAINERA. Ziel ist es, alle Anforderungen der Werkstatt zu erfüllen. Laut Stellantis besteht das Zentrallager aus über 100.000 Produkte. In Deutschland besteht das Vertriebsnetz von Distrigo derzeit aus 44 Standorten . Alles überwiegend Autohändler die eine oder mehrere Stellantis Marken führen.

Die Distrigo Partner sind für die Ersatzteil-Versorgung der PSA Vertragswerkstätten in diesen Regionen zuständig und vertreiben auch an freie Kfz-Werkstätten. Der Handelspartner Dello/Dürkop kommentiert das Distrigo-Angebot wie folgt:

Ersatzteile können Sie heutzutage überall kaufen. Die Angebote sind vielfältig und der Markt fast unüberschaubar. Wichtig ist es einen Partner zu haben, der das Autohausgeschäft versteht, die Bedürfnisse kennt, darauf eingeht und Ihnen eine „Alles einfach – Alles aus einer Hand“-Vollversorgung bieten kann.

Dieser besondere Distrigo Ansatz und die Vermischung von OE und IAM Vertrieb ist in diesem großen Stil einzigartig in Europa. Große Aufmerksamkeit erhielt Distrigo, als bekannt wurde, dass auch die Werkstattkette Fevert in Frankreich mit OE-Teilen beliefert wird: OE-Teile jetzt bei FeuVert in Frankreich

Wieso wurden die Distrigo Handelsverträge gekündigt?

Am 8. Februar 2022 kündigte Stellantis den Distrigo-Vertriebsvertrag, der es an seine Ersatzteilhändler bindet. Nach Informationen der Fachzeitung Après Vente Auto soll Stellantis versichert haben, dass dies ein gesetzlich, notwendiger Schritt sei. Es sei, so Stellantis, nur eine „technische“ Unterbrechung, um nach der Fusion mit FCA auch die Fiat-Chrysler Teile aufnehmen zu können. Die Aufnahme von FCA-Teilen soll das Distrigo Netzwerk weiter stärken. Die Kündigung erfolgte ohne Vorankündigung doch fristgerecht zwei Jahre im Voraus. Diese Kündigung ist auch der Startschuss, die neue Verträge aufzusetzen. In diesen Verträgen werden die Voraussetzungen geregelt, wie und ob, überhaupt die Kriterien erfüllt werden können um Handelspartner zu sein. Autohändler kennen diesen Prozess nur all zu gut. Denn neue Verträge bedeuten auch neue Standards. Neue Standards bedeuten höhere Ausgaben für die Handelspartner. Oft führt es dazu, dass einige Handelspartner freiwillig auch aus den Verträgen aussteigen, da die Anforderung in deren Augen zu hoch sei. Laut Après Vente Auto soll jedoch das Gegenteil passieren. Um das Distrigo Konzept für neue Händler auch in anderen Länder attraktiv zu gestalten, sollen die Standards sogar gesenkt werden. Im Gespräch sind beispielhaft die Punkte Betriebskapital und Lagergröße.

Welche Auswirkung hat die Kündigung auf die Distrigo Handelspartner?

Diese Verträge sind in der Regel sehr einseitig. Und Änderungswünsche der Distrigo Handelspartner nur schwer durchzusetzen. Ein französischer Händler kommentiert es sinngemäß wie folgt:

Wir sind über Distrigo nur Verkäufer von Teilen, keine Käufer: Der Hersteller legt seine Verkaufs- und Wiederverkaufspreise fest

Dies zeigt die einseitige Vertragsauslegung und macht Händler abhängig von der Distrigo Strategie mit wenig Spielraum um auf individuelle Marktverhältnisse reagieren zu können. Bereits bei der Distrigo-Einführung mussten die Handelspartner erhebliche Investitionen stemmen die ggf. noch gar nicht abbezahlt wurden. Dies stellt natürlich auch eine gewisse Abhängigkeit dar, neue Verträge zu akzeptieren. Ein Kommentar von einem Distrigo Händler in der Fachzeitung Après Vente Auto  fasst es so zusammen:

Wenn der kommende Vertrag nicht zu mir passt, werde ich mich mit einer Plattform wiederfinden, die nicht weiterverkauft werden kann: zu groß, zu teuer

Das neue Distrigo Netzwerk führt zu mehr Wettbewerb

Sicherlich werden die aktuellen Distrigo-Partner Ihre Lager mit neuen Produkte füllen. Doch was passiert mit den Autohändlern und Vertragswerkstätten der FCA Marken? Sicherlich werden einige auch die Möglichkeit wahrnehmen Distrigo Partner zu werden. Was dann dazu führen kann, dass sich ad-hoc die Anzahl von Distrigo-Partner verdoppeln könnte. Und dies wiederum zu einem großen Wettbewerb unter den Distrigo Partner führen kann. Und das in einen ohnehin schon stark umkämpften Markt. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Distrigo Netzwerk dann auch mit den FCA-Marken weiter entwickeln wird. HAR

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