Mit dem Elektroauto auf die Hebebühne

Veröffentlicht am 13.09.2021

Bislang war die Entscheidung, welcher Hebebühnentyp zum Einsatz kommt, geprägt von den Arbeiten, die an dieser Stelle durchgeführt werden sollen, welche Fahrzeuggewichte gehoben werden müssen, aber auch von den Platzverhältnissen in der Werkstatt. In Zukunft spielen auch die Platzverhältnisse unter dem Auto bzw. Elektroauto eine Rolle, wenn sich dort statt dem Auspuff ein Batteriespeicher breit macht. Und das im wörtlichen Sinne, denn die Forderung der Kunden nach mehr Reichweite lässt sich zum heutigen Stand der Technik nur durch größere Batterien lösen.

Unterboden muss frei bleiben

Die entsprechenden Akkus nehmen allerdings immer mehr Platz und damit nahezu den kompletten Unterboden zwischen den Achsen in Anspruch. Die Aufnahmepunkte für die Hebebühne werden hingegen immer kleiner und rücken an den äußersten Rand des Unterbodens. Für den Fall des notwendigen Ausbaus eines kompletten Akkus oder einzelner Module muss der Unterboden frei zugänglich sein, ohne dass die Tragelemente der Hebebühne im Weg sind. Das klingt nach teuren Sonderlösungen, doch die Werkstattausrüster beruhigen: Es braucht keine Spezialbühnen für Elektroautos, lediglich die Typenvielfalt ist eingeschränkt.

Flexibles Tragarmdesign

So fallen Scheren- oder Flachträgerbühnen aus der Auswahl, da die Auffahrbleche oder Flachträger zu weit in den Bereich des Unterbodens reichen. „Zwei-Säulen- oder Zwei-Stempel-Bühnen mit Tragarmen sind die Wahl der Stunde, um optimalen Zugang zum Unterboden zu ermöglichen“, bringt es Wolf-Erik Schmitt, ASA-Fachbereichsleiter Hebetechnik und Marketingdirektor der VSG Vehicle Service Group (Ravagnoli, Rotary u.a.) auf den Punkt. Da der Trend zu immer größeren Akkus geht, um Reichweite zu realisieren, ist laut Schmitt zu erwarten, dass der Unterboden noch stärker in Beschlag genommen wird, wie es bislang bei einem BMW i3/i8, einem Renault Zoe oder einem Smart der Fall ist.

Akku ist passé

„Die Aufnahmepunkte liegen in Zukunft an anderer Stelle als bisher. Das bedeutet wiederum, dass das Tragarmdesign so flexibel sein muss, dass es die Aufnahmepunkte erreicht und gleichzeitig den Zugang zum Unterboden nicht stört“, so Schmitt weiter. Weiterhin betont er, dass die vorgeschriebenen Aufnahmepunkte unbedingt zu beachten sind:

„E-Fahrzeuge dürfen auf keinen Fall am Akku aufgenommen werden“.

Spezifische Aufnahmepunkte

Während ältere Elektroautos mit kleineren Akkus auch mit konventionellen Hebebühnen eine ausreichende Zugänglichkeit ermöglichen, sieht das gerade bei der neuesten Generation wie Audi e-tron, Porsche Tycan, den ID-Modellen von VW oder den Tesla-Modellen ganz anders aus. „Da sind die Batterien extrem groß und gehen fast bis zum äußersten Rand der Schweller. Hier muss man mit deutlich kleineren Drehtellern oder speziellen Adaptern arbeiten, mit denen man die Fahrzeuge an den spezifischen Aufnahmepunkten aufnehmen kann“, erklärt Julien Lièvre, Produktmanager bei Nussbaum, und verweist auf die Nussbaum-Bühnen mit den flexiblen Otto-Tragarmen, die nahezu jeden Punkt erreichen, ohne im Weg zu sein.

Alternative Radgreifer

Hersteller wie MAHA oder AutopStenhoy bieten eine weitere Alternative. „Für die aktuellen Modelle MA Star 3.5 und 5.5 bietet MAHA die Möglichkeit, Radgreifer zu montieren, um den Zugang zum Unterboden frei zu halten“, erklärt Holger Seeliger, Produktmanager bei MAHA. Auch AutopStenhoj hat seine Unter- und Überflurhebebühnen modifiziert. So sind unter anderem die Tragarme in den Torsionseigenschaften verstärkt, um Radgreifer nachzurüsten. „In begrenztem Maße sind auch ältere Bühnen, wie die Maestro 2.35, auf die neuen Tragarme umrüstbar. So können auch freie Werkstätten kostengünstig E-Fahrzeuge heben und warten“, so Gebietsverkaufsleiter Jörg Passoke.

Warten auf Vorgaben

Werkstätten sind laut den Werkstattausrüstern gut beraten, sich frühzeitig mit dem Thema E-Fahrzeuge zu befassen. Sie betonen aber, dass Investitionen für einen reinen Elektrofahrzeug-Arbeitsplatz nicht notwendig sind. Vielmehr sehen sie die Möglichkeit, mit der passenden Schwenkarmhebebühne und entsprechendem Zubehör einen Standardarbeitsplatz zu schaffen, der auch für E-Fahrzeuge nutzbar ist. Zumal es von Seiten der Automobilhersteller noch keine konkrete Vorgaben gibt, wie ein entsprechender Arbeitsplatz aussehen soll. Wolf-Erik Schmitt ist sich allerdings sicher, dass es diese in absehbarer Zeit geben wird: „Ich rechne damit, dass spätestens nächstes Jahr konkrete Vorgaben zu erwarten sind. Hier wird aber das Rad nicht neu erfunden, sondern das Design den Anforderungen angepasst“.

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