Aftermarket Konjunkturpaket 2020

Steuererleichterungen – Wiederaufbereitete Teile – Öko-Service – Abwrackprämie für Reifen – ADAS Nachrüstung  – Dies sind nur einige Vorschläge für ein „Aftermarket Konjunkturpaket 2020“- Was leider nicht Bestandteil der aktuellen Diskussion ist. Momentan beraten die führenden Politiker über das Konjunkturpaket um die Wirtschaft nach dem Lockdown wieder anzukurbeln. Dabei werden Vorschläge angehört und die Lobbyisten versuchen auf die Belange der einzelnen Branchen hinzuweisen. Ein umstrittenes Thema ist die Kaufprämie für Neuwagen. Über die Effekte und Sinnhaftigkeit wird gestritten. Jedoch sind andere Branchen durch den Lockdown stärker betroffen z.B. Tourismus, Gastronomie oder Flugverkehr. Eine Sonderlösung für jede Branche ist sehr schwer zu gestalten und schwierig durchzusetzen. So vermehren sich die Vorschläge für einen ganzheitlichen Ansatz für mehrere Branchen. Unter anderem sind folgende Punkte interessant für den Kfz-Reparatur und Ersatzteilmarkt:

  1. Die steuerliche Verlustverrechnung soll flexibler gestaltet werden. Gewinne aus den Jahren 2017 bis 2019 sollen mit aktuellen und zukünftigen Verlusten verrechnet werden können. Dadurch würden die Unternehmen quasi Liquidität vom Fiskus erhalten.
  2. Auch sollen die Abschreibungsmöglichkeiten für ‚digitale‘ und zukunftsfähige Investitionen, Maschinen und Anlagen verbessert werden.
  3. Bei den Energiepreisen wird auch Entlastung gefordert. Vor allem für das produzierende Gewerbe wie beispielhaft Zulieferer ist dies interessant.
  4. Zudem ist in Diskussion, die Arbeitszeitregel bei kleinen und mittelständischen Unternehmen auszuweiten. Tägliche Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden und verkürzte Ruhezeiten. So können aufgeschobene Hauptuntersuchungen, Wartungen oder Reparaturen flexibler in den Werkstätten angeboten werden.
  5. Interessant für Werkstätten könnten auch die Höhe der Absetzbarkeit von geringfügigen Wirtschaftsgütern sein die auf 1.000 Euro angehoben werden könnte.

All diese Punkte können helfen. Jedoch generieren diese Punkte nicht die Nachfrage an Werkstatt-Leistungen. Leider haben es Verbände nicht geschafft neue, kreative und innovative Vorschläge für die Förderung des Kfz-Reparatur und Ersatzteilmarkt in der politischen Debatte zu positionieren.

Aftermarket Konjunkturpaket 2020

Wegen einem Mangel an zeitgemäßen Vorschlägen für die Förderung der Nachfrage im Kfz-Reparatur und Ersatzteilmarkt hier einige Ansatzpunkte und Vorschläge zu einem „Aftermarket Konjunkturpaket 2020“.

Ziel dieser Maßnahmen soll sein, die Nachfrage an Kfz-Service und Reparaturaufträgen zu generieren um nachgelagert den Absatz beim Teilehandel und Industrie zu erhöhen. Gleichzeitig wird der Fokus auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gelegt.

Förderung von gebrauchten und wiederaufbereiteten Ersatzteilen

Die Förderungen von gebrauchten und wiederaufbereiteten Ersatzteilen ist schon seit einigen Jahren Bestandteil der französischen Politik um mehr Nachhaltigkeit im Autombilsektor zu schaffen. Frankreich müssen Werkstätten bei anstehender Reparatur dem Kunden eine „ökologische“ Option zu einem neuen Ersatzteil anbieten. Dies ist auch in Deutschland denkbar. Weitere monetäre Anreize können dies komplettieren. Beispielhaft mit einer Anpassung oder vollständigen Befreiung der Mehrwertsteuer für „ökologische“ Ersatzteile. Auch kann eine staatliche Bezuschussung auf den Stundenverrechnungssatz zum Austausch dieser Teile in Betracht gezogen werden. Diese Maßnahmen führen zu einer „Professionalisierung“ und Stärkung der Wertschöpfungskette von gebrauchten und wiederaufbereitetet Ersatzteilen und auch die Werkstatt ist motiviert, diese Möglichkeit dem Kunden anzubieten. Dies verbessert die ökologische Leistung eines bestehenden Fahrzeugbestandes in einem Markt.

Öko-Service

Nach einer längeren Laufleistung eins Fahrzeugs ist der Motor entsprechend verschmutzt. Sei es die Einspritzung, die Zufuhr, das AGR-Ventil oder der Turbolader auch wenn das Wartungsbuch gepflegt ist. Unweigerlich führt ein verschmutzter Motor zu mehr Verbrauch und desto mehr Abgase erzeugt er. Ein zusätzlicher Öko-Service kann die Emissionen analysieren und feststellen, ob eine Reinigung erforderlich ist. Dieser Öko-Service könnte Emissionen minimieren und Anreize für Autofahrer geben die Werkstatt aufzusuchen. Ein ähnlicher Vorschlag wurde vor einigen Jahren in Belgien diskutiert . Auch kann darüber nachgedacht werden, einen zusätzlichen Öko-Service verpflichten zu machen oder zumindest in Städten mit einer aktuell schon hohen Emissions-Belastung einzuführen. Dies könnte der Beginn einer neuen Werkstatt-Leistung sein um den ständig alternden Fahrzeugbestand effizienter und umweltschonender zu gestalten.

Dieselpartikelfilter-Reinigung

Ähnliche, ökologische Auswirkungen hat die Reinigung vom Dieselpartikelfiltern (DPF). Ein sogenanntes Kältereinigungsverfahren entfernt Ruß- und Ascherückstände und wird heute schon regelmäßig genutzt anstatt einen Dieselpartikel auszutauschen. Ca. 80% des Neupreises kann dadurch gespart werden. Dieses Verfahren kann jedoch auch aktiv genutzt werden, bevor ein DPF vollkommen „verschmutzt“. Ähnlich wie beim Öko-Service können Rußpartikelfilter von älteren Fahrzeugen geöffnet werden und durch eine Sichtprüfung Beschädigungen und Grad der Verschmutzung festgestellt werden. Diese Prüfung wie auch Reinigung wäre eine weitere Möglichkeit einen ökologischeren Fahrzeugbestand zu fördern. Beispielhaft mit einer „Reinigungsprämie“ für eine bessere Abgasbehandlung. Hier hätten Kfz-Werkstätten und DPF-Reinigungsspezialisten zusätzliche Aufträge und es würde der Umwelt zu Gute kommen.

Nachrüstung von ADAS

Ab Juni 2024 werden mehrere ADAS Systeme (Advance Driving Assistent Systems) für alle Neuwagen verpflichtend sein. Aufgrund der langsamen Erneuerung des Fahrzeugbestandes wird es jedoch mehrere Jahre dauern, bis ein nennenswerter Teil des Fahrzeugbestandes mit diesen lebensrettenden Systemen ausgestattet ist. Um dies auszugleichen, könnte die Sicherheit der bestehenden Fahrzeuge mit nachgerüsteten ADAS-Systemen verbessert werden. Die technische Leistung von nachgerüstetem ADAS entspricht der von werksseitig eingebautem ADAS unter Verwendung der gleichen Technologie, vorausgesetzt, die Geräte werden entsprechend den Richtlinien verbaut. Das Europäische Parlament hat eine Studie zur  Durchführbarkeit, Kosten und Vorteiler der ADAS Nachrüstung zur Verbesserung der Verkehrssicherheit veröffentlicht. Mit einer europaweiten Förderung der ADAS-Nachrüstung können Sicherheitseffekte schon frühzeitig erreicht werden. Eine solche ggf. vorgezogene Förderungen stärkt Kfz-Werkstätten, Handel und Industrie.

Hauptuntersuchung mit ADAS Prüfung

ADAS-Technologien, wie automatischer Notbremsassistent, Totwinkel-Überwachung und Spurhalteassistent finde zunehmende Verbreitung. Bei Fahrzeugen mit ADAS-Funktion sind u.a. Stoßstangen, Scheinwerfer, Windschutzscheiben und Spiegel ausgestattet mit Radar, Kameras und Sensoren. Diese sind in manchen Situationen fehleranfällig. Beispielhaft bei einem unvorsichtigen Fahrmanöver und einem Kontakt mit einer Mauer. Dadurch können Sensoren beschädigt werden und entsprechend ADAS-Fehlverhalten aufweisen. Oder es kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass bei einem Ausbleiben der Reparatur oder Kalibrierung, die ADAS-Funktion beinträchtig oder sogar deaktiviert wird. Die Autofahrer wissen dies möglicherweise nicht oder ignorieren eine Fehlermeldung, so dass das Auto bei einem weiteren drohenden Unfall nicht mehr in der Lage ist, diesen zu vermeiden oder die Unfallschwere zu verringern. Eine regelmäßige Überprüfung dieser Funktionen ist demnach ratsam. Dies kann separat oder im Rahmen der Hauptuntersuchung erfolgen. Dies erhöhte die Verkehrssicherheit, generiert einen höheren Zeitaufwand bei der HU und im Falle eines Fehlers einen Reparaturauftrag.

Reduzierung der Nicht-Abgas-Emissionen

Nicht-Abgas-Emissionen auf Englisch Non-exhaust emissions (NEE) sind Partikel, die durch Bremsabnutzung, Reifenabnutzung, Abnutzung der Fahrbahnoberfläche und Wiederaufwirbelung von Straßenstaub während der Nutzung von Fahrzeugen in die Luft gelangen. Es gibt keine Gesetzgebung zur Begrenzung oder Reduzierung von NEE, aber sie geben Anlass zu großer Sorge um die Luftqualität. Aktuell wird davon ausgegangen, dass NEE die Mehrheit der Primärpartikel aus dem Straßenverkehr ausmachen.. Diese Verschmutzung ist ein ernst zunehmendes Umweltproblem. Darüber hinaus ist die Verschmutzung durch den Reifenverschleiß völlig umreguliert, im Gegensatz zu den Abgasemissionen. Wobei die Partikelverschmutzung 1.000 Mal größer ist. Der schädliche Reifenabrieb ist abhängig vom Gewicht des Fahrzeuges, der Fahrbahn, zu niedrigem Luftdruck und Qualität des Reifens. Kurzfristig ist die Montage von Reifen mit höherer Qualität eine Möglichkeit, diese NEE zu reduzieren. Somit wäre eine Abwrackprämie oder Reifenkaufprämie für Neureifen mit entsprechenden Qualtiätsstandards eine Maßnahme NEE effizient zu reduzieren. Ein weiterer Nebeneffekt: Neureifen bzw. Reifen mit besseren Qualitätsstandards erhöhen die Fahrsicherheit des Fahrzeuges und tragen zur Sicherheit des gesamten Straßenverkehrs bei.

Motivation und Beginn einer Diskussion zum Aftermarket Konjunkturpaket 2020

Ich hoffe, diese Vorschläge geben den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einige Ansätze und Argumente für ein Aftermarket Konjunkturpaket 2020. Die genannten Punkte könnten die Nachfrage im Kfz-Reparatur und Ersatzteilmarkt erhöhen und Nachhaltigkeit, Fahrsicherheit und Umweltschutz in unserem Sektor verbessern. Haben Sie noch weitere Vorschläge? Oder Ergänzungen? Kommentare? Dann senden Sie mir diese gerne per E-Mail an hallo@aftermarket-update.de . Ich freue mich auf unseren Austausch.

Bleiben Sie gesund,
René Herrmann 

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