Die Perspektive der Automobilzulieferer

Eine Umfrage unter Automobilzulieferern in Europa zur Einschätzung der Auswirkungen der COVID-19-Krise zeigt, dass sich die Aussichten des Sektors in den letzten Wochen erheblich verschlechtert haben. Über 90% der Unternehmen erwarten für 2020 einen Umsatzrückgang von mindestens 20%, ausgehend von 60% im März. 35% Prozent erwarten einen Rückgang von mehr als 30%. Die Rentabilität wird noch härter getroffen werden, da mehr als die Hälfte der Befragten jetzt mit einem Verlust vor Steuern rechnen. Auch die Aussicht auf eine rasche Erholung hat sich deutlich verschlechtert. Drei von vier Unternehmen befürchten, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, bis sie sich erholt haben, während noch vor vier Wochen der Konsens in Richtung 6-12 Monate tendierte. Ein Drittel der Befragten rechnet mit einem Zeithorizont von 2 bis 3 Jahren.

CLEPA, der europäische Verband der Automobilzulieferer, hat zwischen dem 27. und 30. April seine Mitglieder befragt. Der Input wurde diese Woche von der Beratungsfirma McKinsey zusammengetragen.

90% der Befragten bezeichnen die Volatilität der Nachfrage als das kritischste Problem für die Automobil-Zulieferkette

Die Volatilität der Nachfrage gilt derzeit als das kritischste Thema für die Automobilzulieferkette, wobei fast 90% der Befragten dieses Thema als ihr wichtigstes Anliegen einstufen. Häufig wird auch die Produktion auf sehr niedrigem Niveau wieder aufgenommen. Dies lässt die Fixkosten im Vergleich zum Umsatz in die Höhe schnellen. Die weiteren Aussichten hängen sehr stark von der Nachfrage nach Fahrzeugen und damit von einer deutlichen Belebung der Nachfrage nach Automobilkomponenten ab. Vor diesem Hintergrund hat CLEPA zusammen mit den anderen europäischen Branchenverbänden, die die Wertschöpfungskette der Automobilindustrie vertreten, die Regierungen nachdrücklich aufgefordert, EU-koordinierte Programme zur Erneuerung von Fahrzeugen aufzulegen, um die wirtschaftliche Erholung in Gang zu bringen und die Wiederbelebung des Sektors zu unterstützen.

Zu Gesundheit und Sicherheit geben 85% der Befragten an, gut vorbereitet zu sein und proaktive Maßnahmen zur Risikominderung anzuwenden

Zur Bewältigung der Krise plant ein großer Teil der Unternehmen (84%), Investitionen zu kürzen und Personal abzubauen (78%). Fast 40% haben bereits Schritte zur Kürzung der F&E-Budgets unternommen, 32% sind unentschlossen und 30% haben sich in dieser Phase dagegen entschieden. Die Automobilzulieferer gehören zu den größten privaten Investoren in F&E und tragen wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit des Automobilsektors in Europa bei.

Die Hälfte der Befragten plant, Investitionen und Arbeitskräfte bereits kurzfristig anzupassen. Der Rest sieht solche Maßnahmen in den nächsten 6-12 Monaten vor. Bis heute sind die Arbeitsplätze von mehr als 1,1 Millionen Europäern, die bei Fahrzeugherstellern beschäftigt sind, von Fabrikschließungen betroffen. Die allgemeinen Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Automobilindustrie sind noch kritischer: der allgemeine Multiplikator zählt mit 3 Arbeitsplätzen in der unmittelbaren Lieferkette und weiteren 3 für die Wertschöpfungskette weiter unten.

Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz haben sowohl während als auch nach dem Hochfahren der Produktion weiterhin hohe Priorität. 85% der Befragten geben an, gut vorbereitet zu sein und proaktive Maßnahmen zur Risikominderung anzuwenden. Persönliche Schutzausrüstung wird als die wichtigste Maßnahme angesehen, die am Arbeitsplatz angewendet wird, wobei die Verwendung über die nächsten drei Monate hinaus erwartet wird. Distanzierungsmaßnahmen und die Entkopplung von Schichten sind ebenfalls weit verbreitet. Quelle: CLEPA – European Association of Automotive Suppliers

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