Kein Schutz vor Billigimporte aus China Nutzfahrzeuge, Reifen, Teilehandel

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Europäische LKW-Reifenrunderneuerungsbranche in Existenznöten – Kein Schutz durch EU-Kommission vor Billigimporten aus China

BIPAVER vertritt die Interessen der unabhängigen europäischen Reifenrunderneuerungsindustrie, die aus über 400 kleinen und mittelständischen Runderneuerungsbetrieben mit über 10.000 Beschäftigten in ganz Europa besteht. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat die chinesische Reifenindustrie zunehmend LKW-Reifen zu Niedrigpreisen in die europäischen Märkte gedrückt. Mittlerweile sind die Preise der meisten in die EU-28 Länder importierten Neureifen auf ein Niveau unterhalb der Herstellkosten für runderneuerte LKW-Reifen gefallen. Im vergangenen Jahr hat sich die Marktsituation, hauptsächlich bedingt durch eine Zunahme von Anti-Dumping-Bestimmungen in den umliegenden Kontinenten, weiter dramatisch zugespitzt.

Der europäische Gesamtmarkt für LKW-Reifen (Erstausrüstung + Ersatzgeschäft) hat ein Volumen von etwa 17 Mio. Stück. Darin sind die Billigimporte an Neureifen innerhalb der letzten fünf Jahre von 1 Mio. auf ca. 5 Mio. Stück gewachsen, während parallel der Absatz an runderneuerten Reifen von 6 Mio. auf ca. 4 Mio. Stück gefallen ist. Der gesamte LKW-Reifenersatzmarkt in Europa hat ein Volumen von ungefähr 10 Mio. Reifen.

Runderneuerung bringt Nachhaltigkeit in den Lebenszyklus von LKW-Reifen und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Runderneuerte Reifen bewirken eine maßgebliche Verbesserung der CO2-Bilanz, die Ersparnis von Rohmaterialien und nicht zuletzt eine Verringerung der Abfallmenge durch den Ersatz allein der abgefahrenen Lauffläche. Der Runderneuerungsprozess selbst unterliegt strengen rechtlichen und technischen Anforderungen, was gleiche Leistungsfähigkeit runderneuerter Reifen im Vergleich zu Neureifen sicherstellt. Die Vertriebsregion eines Runderneuerungsbetriebes erstreckt sich in der Regel auf das direkte regionale Umfeld und ist deshalb auf den europäischen EU-28-Binnenmarkt beschränkt.

Über ein Jahr hat sich der europäische Runderneuerungsverband BIPAVER bei der Generaldirektion Handel in Brüssel für die Prüfung und Verbesserung der Situation der Runderneuerer in Europa eingesetzt und dabei technische wie auch rechtliche Lösungsansätze vorgeschlagen. Doch nun wird klar, dass die EU-Kommission nicht in der Lage ist, die europäische Runderneuerungsindustrie zu schützen. Es mangelt an rechtlichen Regelungen, die auf die spezielle Situation des Industriezweiges Runderneuerung zugeschnitten sind.

In einer Zeit, in der die EU eine weitere Öffnung des EU-Marktes und Handelsabkommen mit verschiedenen Exportstaaten diskutiert und in der viele Europäer die europäische Einheit in Frage stellen, fragt sich die Runderneuerungsindustrie: Worin liegt der Wert einer Europäischen Handelspolitik, wenn diese nicht einmal in der Lage ist, die eigenen mittelständischen Industriezweige zu schützen?

Deshalb appelliert BIPAVER entschieden an die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmstrøm, zu prüfen, was die EU in den kommenden Wochen tun kann, um ausgeglichene Marktbedingungen zu schaffen und den Industriezweig Runderneuerung und insbesondere seine kleinen und mittelständischen Marktteilnehmer (vor Wettbewerbsverzerrungen) zu schützen.

Über BIPAVER:

BIPAVER – die Abkürzung steht für Bureau International Permanent des Associations de Vendeurs et de Rechapeurs de Pneumatiques – ist weithin als aktivster und einflussreichster Repräsentant der europäischen Reifenrunderneuerungsbranche anerkannt. In dem Dachverband sind nationale Runderneuerungsverbände und führende Zulieferer der Runderneuerungsindustrie aus derzeit zehn EU-Mitgliedstaaten organisiert: Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Schweden, Spanien und Tschechische Republik. Die Verbandsgeschäftsstelle ist beim niederländischen Reifenhandels- und Runderneuerungsverband VACO in Leiden angesiedelt, die technische Vertretung beim deutschen Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV, Bonn), der bundesweit auch die Runderneuerer vertritt.

Die Mitgliedschaft im BIPAVER steht allen nationalen Verbänden offen, die die Runderneuerungsbranche vertreten; darüber hinaus sind Einzelmitglieder aus Ländern willkommen, in denen es keinen eigenen Branchenverband gibt. Dabei ist die Verbandsmitgliedschaft nicht auf Runderneuerungsunternehmen beschränkt – jegliche Organisation oder Unternehmung, die in direkter oder indirekter Verbindung zur Reifenrunderneuerung steht, kann einen Aufnahmeantrag stellen.

Mehr Infos: www.bipaver.org, www.deutschland-runderneuert.de

Quelle: BRV